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Bild: Herzog Christian Ernst Als Sieger über Die Türken
Herzog Christian Ernst Als Sieger über Die Türken
Trennpunkt Schloßgarten Trennpunkt Innenstadtbereich / Altstadt
Trennpunkt Stichworte: Erst geächtet, dann geachtet
Trennpunkt Thema: Denkmal -
Türken in Franken Erst geächtet, dann geachtet

Beim Spaziergang durch den Schlossgarten stößt man auf historische Bezüge Türken in Franken.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden für den Bronzeguss des Standbildes des Universitätsgründers Markgraf Friedrich auf dem Erlanger Schlossplatz Kanonen des Osmanischen Reiches eingeschmolzen. 16 Jahre bevor der bayerische König Ludwig I. 1843 seiner Erlanger Universität das Markgrafendenkmal zum hundertjährigen Jubiläum schenkte, hatte am 20. Oktober 1827 vor dem Peloponnes die Seeschlacht von Navarino getobt. Auf Grund des Sieges britischer, französischer und russischer Schiffe über die türkischägyptische Flotte konnte Griechenland bald darauf nach einer jahrelangen Aufstandsbewegung seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangen.
Der aus Bayern stammende griechische König Otto, ein Sohn Ludwigs I., ließ die mit den untergegangenen gegnerischen Schiffen ebenfalls gesunkenen bronzenen Kanonen heben und bot sie in Europa zum Kauf an. Aus den bayerischen Beständen selbst griff man beispielsweise zum Guss der Bavaria oder des Obelisken am Karolinenplatz in München zurück und wohl ebenso auch für das Standbild des Markgrafen Friedrich in Erlangen.

Vier kauernde Sklaven
Direkteren Bezug zur türkischen Geschichte hat das 1711/12 geschaffene Reiterdenkmal im Schlossgarten. Es zeigt Markgraf Christian Ernst, den Gründer der Hugenottenstadt, in seiner Rolle als Feldherr. Zu seinen militärischen Verdiensten gehört das erfolgreiche Eingreifen seiner Reitertruppe bei der Befreiung des von den Türken belagerten Wiens (1683).
Die beiden liegenden Figuren unter dem Pferd des Markgrafen werden im Erlanger Stadtlexikon als ein Türke und als die Verkörperung des Neids («Invidia») gedeutet. Und die vier kauernden Sklaven an den Ecken des Postaments erinnern daran, dass in der Zeit der Türkenkriege oft Türken oder türkische Untertanen mit nach Deutschland verschleppt wurden. Sie wurden hier «bekehrt» und in oft spektakulären «Türkentaufen» in die evangelische oder katholische Kirche aufgenommen und mit einem neuen Namen versehen.

Professor Hartmut Heller hat den Lebensweg Betroffener untersucht und festgestellt, dass sie zu geachteten Mitbürgern wurden und Einheimische heirateten. So mag mancher Franke türkische Vorfahren haben. Die schöne, kluge und charmante Fatme wurde sogar zu einer Gräfin Castell, und aus dem sechsjährigen Türkenknaben Yussuf mit dem neuen Namen Christian Joseph Borgk wurde ein lutherischer Pfarrer in einem Dorf bei Windsheim.
EN 5.1.2010

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