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Bild: Geschäftsstelle des Bayrischen Roten Kreuzes
Geschäftsstelle des Bayrischen Roten Kreuzes
Trennpunkt Henri-Dunant-Straße Trennpunkt Bruck
Trennpunkt Stichworte: Bayrisches Rotes Kreuz
Trennpunkt Thema: Ehrenamt -
In der Henri-Dunant-Straße in Erlangen befindet sich die Geschäftsstelle des Bayrischen Roten Kreuzes, Kreisverband Erlangen Höchstadt.

Ihren Namen trägt die Henri-Dunant-Straße nicht aus Willkür. Denn Henry Dunant war der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), aus dem das Bayrische Rote Kreuz hervorgegangen ist.

Henri Dunant, der 1901 den ersten Friedensnobelpreis erhalten hat, was ein aufopferungsvoller, selbstloser Mann. Dies zeigt vor allem die Entstehungsgeschichte des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes.

Es war nämlich im Juni 1859, dass Henri Dunant auf einer Geschäftsreise (er wollte ein ziemlich wackliges Handelsgeschäft in Algerien anschieben) etwas erfahren sollte, das ihn nachhaltig in seinem Wesen und seinem Handeln geprägt hat.

Henri Dunant wurde zu diesem Zeitpunkt Zeuge des Leid des Krieges. Nach einer Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1859, in der sich Italiener in deren nationalem Einigungskrieg den Österreicher gegenüber standen, kam Dunant als "Tourist", wie er selber schrieb, auf das Schlachtfeld. Dort erblickte er Menschen mit schrecklichen Kriegsverletzungen.

Bedrückt von diesem Anblick schrieb er später, 1862, in einem von ihm veröffentlichen Büchlein ("Un Souvenir de Solferino" - Eine Erinnerung an Solferino): "Einem armen Blessierten wird die Kinnlade fortgerissen, einem anderen der Kopf eingeschlagen, einem dritten, den man hätte retten können, die Brust eingedrückt... [...] Gibt es während einer Zeit der Ruhe und des Friedens kein Mittel, um Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein musste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte, aufopfernde Freiwillige, die für ein solches Werk besonders geeignet sind, pflegen zu lassen?"

Im Februar 1863 sollte es sein, dass die Gemeinnützige Gesellschaft von Genf einen Ausschuss von fünf Mitgliedern, unter ihnen Henri Dunant, ernennt. Dieser Ausschuss sollte fortan das erste Internationale Komitee vom Roten Kreuz bilden. Im Jahr darauf, am 22. August 1864, wird in Genf die "Konvention, die Linderung des Loses der im Felddienste verwundeten Militärpersonen betreffend", von zunächst zwölf Staaten unterzeichnet. Dies war die erste aller Genfer Konventionen und, für uns besonders interessant, die Gründungsurkunde aller nationalen Rot-Kreuz-Organisationen.

Fortan sollten sich freiwillige Helfer um das körperliche und seelische Wohl von Kranken kümmern.

Trotz dieser für uns heute heldenhaften Arbeit Henri Dunants hatte er es nicht immer leicht. Vier Jahre nach seinem größten humanitären Erfolg wurde ihm ein betrügerischer Bankrott bescheinigt. Die Genfer Gesellschaft und das Komitee schlossen ihn aus ihren Reihen aus. Zwanzig Jahre lang irrte er durch Europa. 1875 verschwindet er völlig von der Bildfläche der Weltöffentlichkeit. Man hatte ihn sogar als tot erklärt. Umso überraschter war die Öffentlichkeit, als die Gazetten 1895 schreiben: "Der Gründer des Roten Kreuzes lebt."

Fortan, nach seiner Wiederentdeckung durch die Öffentlichkeit, wurde er mit Preisen überhäuft, darunter auch der Friedensnobelpreis.

Doch Dunant war gesundheitlich stark angegriffen und musste sich selbst in ärztliche Behandlung geben - er wird das Zimmer 12 in einem Hospiz in Heiden nicht mehr verlassen, bis er am 30. Oktober 1910 stirbt - ohne Trauerfeier, ohne Leidtragende, ohne Totenzug, nach eigenem Wunsch zu Grabe getragen "wie ein Hund".

Trennpunkt Ein Beitrag von Link zu Matthias Müller Matthias Müller

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