Kennst du Erlangen

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Bild: " ... Euer Leben fort zu dichten ....
" ... Euer Leben fort zu dichten ....
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Trennpunkt Stichworte: Kindertodtenlieder
Trennpunkt Thema: Geschichte -
Friedrich Rückert: "Kindertodtenlieder"

"Ich habe meine zwei liebsten und schönsten Kinder zugleich verloren", schrieb Friedrich Rückert im Frühjahr 1834 einem Bekannten. Im Dezember 1833 hatte eine Scharlachepidemie alle sechs Kinder des Dichters im Hause Südliche Stadtmauerstraße 28 aufs Krankenlager geworfen. Besonders schlimm traf es die beiden in Erlangen geborenen Jüngsten: Ernst (* 4.1.1829) und Luise (* 25.6.1830), die nach fünf Knaben heiß ersehnte erste Tochter. Und gerade die liebliche und innig geliebte Dreijährige starb zuerst, am Silvestertage des Jahres 1833; Ernst erlebte noch seinen 5. Geburtstag und folgte ihr am 16. Januar 1834 nach.
Das schlichte Kindergrab ist auf dem Neustädter Friedhof noch zu sehen. Aus dem kleinen Hügel erhebt sich eine mächtige Birke; an ihrem Stamm hängt eine Tafel mit folgendem Text: "Die von mir das Leben hatten, / Haben es zu früh verloren; / Soll die Mutter ihrem Gatten / Haben sie umsonst geboren? / Nein, ich hab' es mir geschworen, / Euer Leben fort zu dichten, / Daß mir nichts es kann vernichten."
Es ist eine Strophe aus den "Kindertodtenliedern". Mit der Abfassung dieser Gedichte begann Rückert bereits unmittelbar nach Luises Tod. Der Dichter will einerseits den Schmerz verarbeiten, andrerseits aber auch dem Vergessen der Kinder und des mit ihnen Erlebten entgegenwirken. Es entstehen binnen eines Jahres in Erlangen und Neuses mehrere hundert Gedichte, vielgestaltig im Inhalt, im Umfang und in der Form: gereimt oder reimlos; strophisch oder nur nach Zeilen gegliedert; in orientalischen, antiken, italienischen oder schlicht-volksliedhaften Versmaßen. Es entsteht "die größte Totenklage der We1tliteraur" (Hans Wollschläger). (Text Erlanger Rückert-Kreis)

Oft denk' ich, sie sind nur ausgegangen,
Bald werden sie wieder nach Haus gelangen,
Der Tag ist schön, o sei nicht bang,
Sie machen nur einen weiten Gang.

Ja wohl, sie sind nur ausgegangen,
Und werden jetzt nach Hause gelangen,
O sei nicht bang, der Tag ist schön,
Sie machen nur den Gang zu jenen Höhn.

Sie sind uns nur voraus gegangen,
Und werden nicht wieder nach Haus verlangen;
Wir holen sie ein auf jenen Höhn
Im Sonnenschein, der Tag ist schön auf jenen Höhn.

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